Dot All 2018

Erstmals machte ich mich auf der Reise nach Berlin und hatte extrem viel Pech mit der Deutschen Bahn. Anstatt gemütlich mit dem ICE von Köln nach Berlin zu fahren, wurde mir bereits in Köln mitgeteilt, dass mein ICE ausfällt… Lokschaden oder was weiß ich. Meine Platzreservierung war damit hinfällig und ich musste auf einen späteren Zug ausweichen, wie alle anderen Fahrgäste aus meinem eigentlichen Zug und dementsprechend überfüllt war dann die Zugfahrt. Letztendlich musste ich die meiste Zeit der mehrstündigen Zugfahrt stehen, was dazu führte dass ich am Abend Blasen an den Füßen hatte und mit diesen die nächsten Konferenztage überstehen musste.

Meine Rückfahrt lief nur minimal besser, da ich dort nur die Hälfte der Zugfahrt stehen musste… aber das ist eine andere Geschichte.

Location und Networking

Die eigentliche Konferenz fand in Berlin, Prenzlauer Berg in der Palais Kulturbrauerei statt. Wunderbare Location, alte Brauerei und viel Industriecharme. Dachterrasse und Innenhöfe waren sehr chillig. Auf dem Gelände bzw. unmittelbar daneben war noch ein Supermarkt und ein Gravis Store, wo ich etwa mit David Hellmann und Frederic Köberl, beide von der österreichischen Web/Marketing-Agentur Fredmansky, mir die neusten Apple-Produkte anschaute.

Mit den beiden und Dennis Frank bildeten wir auch meist eine kleine Gruppe und sicherten uns während den Vorträgen die Sitzplätze. Ich lernte auch Johannes Arndt von webhub oder auch Oliver Stark von fortrabbit kennen. Es war auch schön, mal hilfreiche Menschen aus Craft Slack wie Robin Schambach zu treffen.

Natürlich habe ich mich nicht nur mit Menschen aus Deutschland und Österreich vernetzt. Denn es war für mich erstmals die Gelegenheit die Craft-Entwickler und anderen Personen aus der internationalen Community zu treffen, die ich entweder nur durch Twitter, Slack oder per E-Mail kannte. Mit Brandon Kelly hatte ich in Berlin noch am wenigsten zu tun, der war verständlicherweise zu beschäftigt. Schade, denn mit ihm mailte ich damals lange über Idee und Namensgebung von craftentries.de. Mit Brad Bell, Chief Technology Officer von Pixel & Tonic, habe ich mich täglich unterhalten.

Zusammen mit John Henry Donovan, den ich virtuell aus den ExpressionEngine-Tagen kenne, Jake Dohm und anderen wurden Berliner Kneipen getestet. Am ersten Abend saß ich gute 2 Std mit Ben Parizek von Straight Up Craft und den Sprout Plugins zusammen. Wir redeten über Berlin, Craft CMS, seine Plugins, wie die Geschäfte bei uns laufen, wie er mit Straight Up Craft anfing, über die Community und alles Mögliche. Auf dem Workshop an dem ich teilnahm lernte ich Katie Fritz kennen, die selbst Speakerin auf dem Event war und etwas Deutsch sprach.

Letztendlich habe ich noch mehr Crafter kennengelernt und mit ihnen Gespräche geführt, als ich hier nun aufgeführt habe. Das war alles wunderbar entspannt, lehrreich und spaßig. Das ist vielleicht auch der Vorteil, dass die Community relativ klein ist. Man kennt sich entweder oder lernt sich schnell kennen. Da hilft es auch, dass es mit Craft CMS quasi nur ein Thema und damit identische Interessen gab.

Vorträge

Vorweg möchte ich sagen, dass die Vorträge und die Speaker hervorragend waren. Für die Workshops musste man extra zahlen und es standen Application Development with Craft 3 mit Brandon Kelly, Craft Commerce Workshop mit Luke Holder und Twig Power and Performance Moves mit Ryan Irelan zur Auswahl.

Ich besuchte den Workshop Twig-Workshop mit Ryan, da ich für mein aktuelles Tagesgeschäft von besseren Twig-Templating am meisten profitieren konnte. Außerdem kenne ich Ryan virtuell seit 2009/10 oder so, dank seinen ExpressionEngine-Videos und eeinsider.com lernte ich damals ExpressionEngine. Und seine Videokurse auf Mijingo.com bzw. craftquest.com halfen mir sehr bei Craft. Letztendlich wurde ich auch nicht enttäuscht, einige sehr hilfreiche Tipps bezüglich effizientes Nutzen von Twig konnte ich mitnehmen.

Bei den normalen Vorträgen war es nicht anders. Ich gebe zu, dass mir der PhpStorm-Vortag von Jetbrains etwas zu viel war, dafür bin ich nicht genug PHP-Programmierer.

Katie Fritz zeigte in Prioritizing Author Experience anschaulich, wieso ich Craft in Kundenprojekte so gerne einsetze. Ich kann die Benutzererfahrung der Redakteure komplett anpassen, so dass es einerseits Spaß macht die Inhalte zu bearbeiten, aber dies andererseits auch einfach ohne langen Schulungsaufwand funktioniert. In eine ähnliche Richtung ging der Vortrag Architecting a Content Website von Souvik Das Gupta, den ich daher auch empfehlen kann.

Paulo Elias machte mir mit Modern Frontends Using Craft CMS, React, and GraphQL Lust auf React und Headless CMS, beides war unterschwellig Thema auf der Konferenz. So führte ich auch ein Gespräch mit Benjamin David von Pixel & Tonic, der mir von den Plänen berichtete, dass das Control Panel von Craft später komplett in Vue realisiert werden solle… er würde aktuell daran arbeiten. Es wird sich daher definitiv lohnen sich als Craft-Entwickler mit Themen wie React oder Vue zu beschäftigen.

Ähnliches sieht es wohl bezüglich des Trends von Utility-First-CSS wie mit Tailwind CSS aus. Simon Vrachliotis einen sehr praxisnahen Vortrag A Real-Life Journey Into the Opinionated Word of Utility-First CSS, der dazu führte, dass ich craftentries mit Tailwind neu gestalten werde. Simon nutzte zwar kein Tailwind, aber ich hatte mich zuletzt mit Tailwind CSS schon rumgespielt und es gefiel mir.

Andrew Welch von NYStudio107 enttäuschte auch Live vor Ort nicht, wurde mit Applaus begrüßt und redete mal nicht über SEO, sondern zum Thema Making a Craft CMS Website That Flies und jeder Teilnehmer wird sicher einige Tipps zur Performance-Optimierung da rausgeholt haben.

Die anderen Vorträge waren auch interessant, für mich mehr zwecks Inspiration. Ein paar muss ich selbst noch in Videoform nachholen.

State of Craft 2018

Höhepunkt am letzten Tag war natürlich die State of Craft 2018 von Brandon Kelly. Und es fühlte sich fast wie eine Apple-Keynote für Craft CMS an, auch wenn große Überraschungen oder Neuankündigungen ausblieben.

  • 7.200 Mitglieder in der Slack-Gruppe von Craft
  • 6.200 Mitglieder bei Craft Stack Exchange und es werden 90% der Fragen beantwortet
  • Fast 45.000 Websites mit Craft
  • 34 Updates mit über 400 Verbesserungen und Bugfixes seit Craft 3.0
  • 83% der neuen Craft-Projekte laufen mit Craft 3
  • Plugin Store ist ein Erfolg, der Umsatz steigt monatlich
  • Bisher wurden an die 3rd-Party-Plugin-Entwickler 135.000 US-Dollar gezahlt.
  • Aktuell gibt es über 370 Plugins

Das Partnerprogramm wurde vorgestellt. Es wird auf der Craft CMS-Website eine Partnersektion geben, wo Entwickler und Agenturen vorgestellt werden, die Craft-Dienstleistungen anbieten.

  • Mitgliedsbeitrag startet bei 240$ im Jahr
  • Man muss mindestens fünf Projekte mit Craft realisiert haben

Fazit

Die Dot All war meine erste Entwickler-Konferenz, die ich besucht habe, weswegen mir die Vergleiche fehlen. Aber die Vortrage waren inspirierend, die Location schön und die Leute aus der Community sehr freundlich und hilfsbereit. Es war eine tolle Erfahrung, Menschen die man teils jahrelang kennt, endlich persönlich zu begegnen. Netzwerken ist offensichtlich eines der Hauptgründe eines solchen Events, denn fachlich lernt man nicht wirklich was bzw. höchstens in den Workshops. Wenn es einem nur um die Vorträge geht, dem empfehle ich einfach so lange zu warten, bis diese später kostenlos in Videoform veröffentlicht werden.

Berlin als Gast war interessant, leben möchte ich in einer solchen Großstadt allerdings nicht. Mein Hotel am Prenzlauer Berg war super, da ich ein kostenloses Upgrade bekam und so auch am Schreibtisch arbeiten konnte. Außerdem hatte ich es nur wenige Gehminuten bis zur Konferenz.

Ob einen diese vergnüglichen Tage, 899 US-Dollar inkl. Workshop zuzüglich Reisekosten und Hotel Wert sind, muss jeder für sich selber entscheiden.

Die nächste Dot All findet übrigens in Montreal statt.

Foto von Thomas Sausen

Selbstständiger Webentwickler, der 2005 mit WordPress-Websites anfing, dann zu ExpressionEngine wechselte und 2013 sein Herz an Craft CMS verlor. Als Gründer von Craftentries, berichtet er seit 2015 über das Craft-Ökosystem.

Thomas Sausen

Webentwickler